3. Friday Night Talk: Kritik am Schulsystem

3. Friday Night Talk (Kritik am Schulsystem)

Mit 14 ganz unterschiedlichen Menschen aus verschiedenen Altergruppen starteten wir am Freitag, den 20. April 2018, in unseren dritten „Friday Night Talk“.

Mit diesen regelmäßigen Diskussionsrunden wollen wir wieder eine respektvolle Diskussionskultur schaffen, in der Themen besprochen werden, über die auf Facebook offen abgestimmt werden kann.

Unser Anspruch? Ohne Rednerliste oder sonstige Formalitäten jede und jeden mit ihrer und seiner Meinung zu Wort kommen zu lassen.

Wir begonnen mit einer Debatte um einen späteren Schulbeginn, den PsychologInnen und MedizinerInnen schon seit Jahren fordern. Auch wir haben schon die Erfahrungen gemacht, dass die erste Stunde nicht unbedingt die produktivste ist. Es kamen ganz verschiedene Vorschläge zum Wort: Von „Gleitzeit für Schüler“ über eine erste Stunde, in der zwar die Anwesenheit verpflichtend ist, doch nicht der Inhalt festgelegt ist, bis hin zu einem komplett nach hinten verschobenen Schulbeginn. Ziemlich bald kam die Frage auf, inwiefern ein späterer Schulbeginn höheren organisatorischen Aufwand für die jeweiligen Eltern bedeuten könnte – viele fühlen sich bereits jetzt als „eigenständiges Taxiunternehmen“. Deshalb unsere Forderung: Vernünftige Anbindungen mit Bus und Bahn!

Wie sieht es in unserem Bildungssystem mit der im Grundgesetz versprochenen Chancengleichheit aus? Studien verraten, dass der Bildungsgrad der Kinder sich noch immer zu sehr an dem der Eltern orientiert. Das heißt: Es ist wahrscheinlicher, dass ein Kind aus einem Akademiker-Elternhaus Abitur macht, als ein Kind, dessen Eltern Haupt-oder Realschulabschlüsse haben.

Mit welchen Konzepten könnte man die Kinder aus Elternhäusern, die weniger Unterstützung bieten können, fördern und somit die Chancengleichheit erhöhen? Wären Ganztagsschulen eine Lösung des Problems? Oder doch eine erste Stunde, deren Inhalt freigestellt ist und somit zum Nachholen der Hausaufgaben oder allgemeinem Nacharbeiten zur Verfügung steht?

Ein weiteres großes Thema, das sich ergab, war die Frage, wie man Schule attraktiver gestalten könnte.
„Ein guter Lehrer ist der, der die Neugier des Schülers und der Schülerin weckt“
Schule muss aus unseren Augen individueller werden. Vielleicht sollten wir uns sogar – nach finnischem Vorbild – über die Abschaffung von Fächern und gleichzeitige Einführung von Arbeitsfeldern Gedanken machen, um spezifisch an das jeweilige Interesse der Schüler und Schülerinnen anzuknüpfen und dieses zu fördern. Ohnehin bleibt letztendlich von dem uns eingetrichterten Lernstoff nur das hängen, was uns interessant erscheint.

3. Friday Night Talk (Kritik am Schulsystem)

Desweiteren wurden die Forderungen laut, dass Lehrer eine bessere pädagogische Ausbildung erhalten (gerade im Hinblick auf die entstehende Herausforderung der Inklusion) und Arbeitsbedingungen fairer werden – befristete Verträge abschaffen! Keiner Lehrkraft dürfte über die Sommerferien gekündigt werden.

Viel Diskussionsstoff hat die Frage ergeben, ob man Lehrer nicht sogar abschaffen könnte und stattdessen in fachnahen Institutionen/ Betrieben Experten den Lerninhalt vermitteln lässt.

Des weiteren sehen wir Schule als eine der wichtigsten Instanzen in der Sozialisierung der Kinder. Deshalb finden wir es umso erschreckender, wie wenig Wert auf SozialarbeiterInnen gelegt wird! Wir fordern eine angemessene Vergütung für die Arbeit der SozialarbeiterInnen an Schulen und auch den flächendeckenden Einsatz von Schulpsychologen/-psychologinnen. Von Wichtigkeit ist deren Arbeit vollem auch im Kampf gegen Mobbing! Schule muss menschlicher werden!

Und dann kamen wir sehr schnell zum nächsten Thema: Digitalisierung. Die meisten Lehrkräfte sind keine „Digital Natives“ – viele kennen sich nicht aus mit sozialen Netzwerken und welche Informationen darüber verbreitet werden. Gerade Themen wie Cybermobbing werden immer aktueller, da das Internet in vielen Formen ein fester Bestandteil des Alltags von Kindern und Jugendlichen geworden ist, doch nach unserer Meinung wird zu wenig über Gefahren aufgeklärt: Themen wie Schönheitsideale im Internet auf Instagram und Co, Mobbing und Fake News sollten intensiv im Unterricht eingegliedert werden. Durch soziale Netzwerke und die scheinbare „Anonymität“ in diesen sinkt die Hemmschwelle, „unsagbare“ Dinge zu sagen. Können denn Erwachsene differenzieren, welche Information vertrauenswürdig ist oder nicht? Auf welcher Grundlage sollen Kinder da differenzieren können?

Mit einher geht hier also auch die entsprechende Weiterbildung der Lehrkräfte.
Wir fordern mehr alltagsnahe Inhalte (wie Methodenkompetenz und Finanzbildung) und auch persöhnlichkeitsstärkende Inhalte und eine Art „Soziales Kompetenztraining“ – es kann nicht sein, dass Schule nur als Lehr- aber nicht als soziale Institution gesehen wird!

… Oder würden wir nicht noch mehr Menschsein in Schulen einführen, wenn wir unsere Schulformen (d.h. Haupt-, Realschule, Gymnasium und Förderschulen) komplett auflösen und alle zusammen unterrichten, damit Kinder voneinander lernen?

Frei nach der Überzeugung, dass jede und jeder eine Stärke hat. Um es mit Albert Einsteins Worten zu sagen: „Jeder ist ein Genie! Aber wenn du einen Fisch danach beurteilst, ob er auf einen Baum klettern kann, wird er sein ganzes Leben lang denken, er sei dumm!“ – Fangen wir an, nicht nur das Besondere zu wollen, sondern es zu fördern!

 

3. Friday Night Talk (Kritik am Schulsystem)

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